Löffel oder kein Löffel – das ist hier die Frage!


Der Italo-Klassiker „Spaghetti Bolognese“ führt bei vielen Deutschen die Liste der Lieblingsgerichte an und ist in den meisten Köpfen als typisch italienisch verankert.

Auch wenn der Begriff „Spaghetti“ aus dem Italienischen stammt, sucht man auf den Speisekarten in seinem vermeintlichen Ursprungsland vergebens nach „Spaghetti Bolognese“.

Bologna gilt zwar als angebliche Geburtsstätte der Bolognese, doch spätestens in der bekannten Universitätsstadt in der Emilia-Romagna entpuppt sich die Namensähnlichkeit als Fehlinterpretation. Im Land von Pizza, Pasta und Amore zählt stattdessen das ragù alla bolognese zu den populärsten Saucen. Das Rezept wird eigens von der Bruderschaft der Tagliatelle gehütet und wurde zusammen mit einem Musterstück der echten Tagliatelle bolognese seitens der Akademie für italienische Kochkunst in der Handelskammer hinterlegt und notariell beglaubigt. Allerdings ist in Italien eins klar: das ragù wird nicht zu Spaghetti, sondern zu Tagliatelle gereicht und muss in gekochtem Zustand 8mm breit sein.



Wer bisher dachte, dass die unterschiedlichen Pastaformen keinerlei Bedeutung haben, liegt völlig falsch. Es gibt eine wahre Sortenvielfalt - lange, kurze, gedrehte, handgemachte, frische oder getrocknete, aus Kartoffeln, aus Hartweizen, mit Ei oder ohne - und nicht ohne Grund aber weshalb eigentlich?

Es geht tatsächlich um die ideale Verbindung der Nudel mit der Sauce. Als Faustregel gilt: einfache Pasta – einfache Sauce, komplexere Pastaform – reichhaltigere Sauce. Somit eignen sich Spaghetti eher für leichtere Saucen und zum Beispiel gedrehte oder hohle Nudelsorten für schwere und cremige Saucen.

Nun sollte auch erklärt sein, weshalb es in Italien keine „Spaghetti Bolognese“ zu finden gibt. Das ragù alla bolognese ist viel zu reichhaltig für die glatte Pastaform, denn die Sauce haftet nicht an den Nudeln und bleibt somit auf dem Teller zurück.


Wer sich in Italien nach der Zubereitung des besten ragù erkundigt, wird wahrscheinlich folgende Antwort erhalten: „Come lo faceva la mamma“ – „Wie es Mutter machte“!

Das traditionelle ragù besteht aus grob gehacktem Rindfleisch, passierten Tomaten, Pancetta (Bauchspeck vom Schwein), Zwiebeln und Möhren für die Süße, Sellerie für die Frische sowie Salz zum Abschmecken. Im Vergleich zu der uns bekannten „Bolognese“ schmeckt diese Sauce sehr würzig und eher wie Gulasch.

Wer nun Lust auf eine Kostprobe bekommen hat, darf gern zu Hause oder in unseren Appartements den Kochlöffel schwingen und sich an der Zubereitung erproben!

Zutaten für das klassische ragù:

400g Rinderhack – 150g Pancetta – 50g Karotte – 50g Stangensellerie – 300g geschälte, gewürfelte Tomaten – ½ Glas trockener Rotwein – ½ Glas Milch – ½ Glas Gemüsebrühe – Butter – Salz, Pfeffer

Zubereitung:

1.)   Pancetta fein hacken. Zwiebeln und Karotten schälen, Stangensellerie waschen und alles in kleine Würfel schneiden.
 

2.)   Etwas Butter in einem Topf zerlassen und Pancetta mit den Gemüsewürfeln zusammen einige Minuten lang anschwitzen.
 

3.)   Das Rinderhack hinzugeben und bei hoher Temperatur anbraten. Danach mit Wein ablöschen und reduzieren lassen.
 

4.)   Anschließend Tomaten und Gemüsebrühe hinzufügen und alles bei mittlerer Hitze und geschlossenem Deckel mindestens 2 Stunden köcheln lassen. Ab und zu das Ragù umrühren.
 

5.)   Kurz vor Ablauf der Zeit die Milch dazu geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
 

Servierempfehlung: definitiv mit Tagliatelle :-)

In diesem Sinne - buon appetito!



Jedoch ist eine Frage nach wie vor ungeklärt: Löffel ja oder nein?

Nicht nur die Tasse Kaffee nach dem Essen ist verpönt – genau, Espresso wäre die richtige Wahl -, auch der Einsatz eines Löffels als Hilfsmittel bei Spaghettigerichten. Hier handelt es sich um ein absolutes No-go oder wie die Italiener zu sagen pflegen „Non si fa!“.

Es gibt klare Essensregeln und dazu zählt definitiv, weder Messer noch Löffel beim Verzehr von „Spaghetti Bolognese“ bzw. ragù alla bolognese einzusetzen. Erlaubt ist ausschließlich die Gabel, die man schräg an den Tellerrand setzt und im Uhrzeigersinn dreht, um nur wenige Nudeln aufzunehmen. Wer diese Vorgehensweise nicht beachtet, wird entweder bei der Beförderung des Nudelberges bis zum Mund oder beim kleckerfreien Essen Probleme bekommen. Außerdem verhelfen die kleinen Mengen dabei, die Pasta erst so richtig zu genießen, denn in Bella Italia nimmt die Hauptmahlzeit gern mehrere Stunden Zeit in Anspruch und wird in geselliger Runde zu sich genommen.

Falls Sie sich bei Ihren Kochutensilien übrigens schon häufiger gefragt haben, was das Loch im Pasta-Löffel zu suchen hat: hiermit soll nicht nur das überflüssige Wasser ablaufen, sondern die trockenen Spaghetti portioniert werden. Dank dieser Dosierhilfe lässt sich zukünftig problemlos die Menge für genau eine Portion ermitteln.

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vom 05.06.2018

Thema
Kulinarisches
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